06 Mrz
Zeitarbeit

Zeitarbeit für Studenten und Arbeitgeber eine lohnende Option?

Seit der Mindestlohn für Praktikanten in der Politik diskutiert wird, sind die Arbeitsverhältnisse von jungen Akademikern wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Dabei werden meistens die Verbesserungen betont: Praktika werden selten und vor allem besser bezahlt, und Akademiker finden nach ihrem Abschluss schneller eine Stelle. Anscheinend verschiebt sich die Arbeitssituation von Absolventen – jedoch eigentlich nur auf dem Papier. Denn während die Praktika-Schleife sich langsam löst, gewinnt eine andere Form der Arbeit immer mehr an Bedeutung bei Studierenden und Absolventen: die Zeitarbeit.

Laut dem Praktikantenbericht 2014 werden Praktika nicht nur weniger, sondern auch immer besser bezahlt. Es scheint also gut auszusehen für die Absolventen – von der „Generation Praktikum“, der Ausbeutung und den prekären Verhältnissen junger Akademiker wird sich langsam entfernt, statt dessen scheinen Absolventen schneller besser bezahlte Jobs oder zumindest Praktika zu bekommen. Bei dieser Rechnung wird aber der Faktor Zeitarbeit außer Acht gelassen, der das studentische Klientel langsam, aber sicher für sich entdeckt.

Studium und Zeitarbeit?

Studenten und Absolventen sehen immer mehr Vorteile in dieser Form der Arbeit. Vor allem für Studierende ist Zeitarbeit eine sehr sinnvolle Alternative zum regelmäßigen Nebenjob. Die gravierenden Nachteile der Zeitarbeit, nämlich eine Arbeit zu Stoß- und Schichtzeiten, die keine Sicherheit bietet, sind für die Studierenden eher Vorteile, weil sie sich so nicht binden müssen und in intensiven Studienphasen keine Verpflichtungen besitzen.

Dementsprechend erfolgreich sind Firmen, die sich auf die Vermittlung von Studenten konzentrieren. Jobbörsen wie Studitemps oder Jobmensa finden stetigen Zuwachs. Bei solchen Vermittlern füllen Studierende ein Profil aus und geben ihre Jobpräferenzen an. Gleichzeitig können Unternehmen dem Vermittler gezielt ihre Vorstellungen und Stellengesuche mitteilen und bekommen dann die Studierenden zugeteilt, die am besten auf den Job passen.

Die Vorteile der Parteien liegen auf der Hand: Studierende sparen sich die aufwendige Jobsuche, indem sie immer wieder neue Angebote bekommen. Unternehmen finden leichter Studierende, die auf die offene Stelle passen. Beide Parteien haben durch die dauerhafte Anbindung an den Vermittler eine gewisse Sicherheit. Und Studierende können zusätzlich noch Arbeitserfahrung sammeln und sich während des Studiums schon ein Netzwerk an Kontakten zu der Branche aufbauen, in der sie später arbeiten wollen.

Zeitarbeit nach dem Studium:  ein anderes Label für „Praktikum“

Aber auch bei Absolventen wird Zeitarbeit immer gängiger. Bei Akademikern, die auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt sind, ist diese Entscheidung oft freiwillig. Vor allem Ingenieursdienstleister boomen, welche die Absolventen auf Zeit einstellen und in mehrere Projekte hintereinander vermitteln. Die Arbeitsanfänger versprechen sich durch solche Dienstleister vielseitigere Erfahrungen als in einem einzelnen Arbeitsverhältnis.

Allerdings sieht die Situation für Absolventen mit eher schlechteren Jobaussichten weniger rosig aus: Denn hier sind zwar die Praktika weniger gängig und besser bezahlt, aber Absolventen vor allem aus den Geisteswissenschaften finden immer noch schwer Arbeitsverhältnisse, die ihnen unbefristete Sicherheit bieten. Stattdessen unterscheiden sich die Verträge mit einem geringen Stundenlohn und unsicheren Arbeitsverhältnissen nicht sehr von einem gut bezahlten Praktikum – sie werden nur anders genannt. Gleichzeitig  können sich gerade Berufsanfänger, die sich in arbeitsrechtlichen Fragen nicht so gut auskennen, hier oft übervorteilt werden.

Zeitarbeit ist auch bei Akademikern nur eine gute Entscheidung, wenn es eine Entscheidung bleibt. Wer sich eigentlich nach einem sicheren Arbeitsverhältnis sehnt, für den liefern die neuesten Entwicklungen am Arbeitsmarkt für Akademiker keine rosigeren Aussichten – sondern nur prekäre Anstellungsverhältnisse, die anders gelabelt werden: Statt der Generation Praktikum finden die Absolventen sich in der Generation Zeitarbeit wieder.

Quellen zum Thema:

http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/uni-absolventen-in-zeitarbeit-akademiker-zu-verleihen-a-611848.html

Bildquelle: Guedo  / pixelio.de

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